皐月
satsuki
Satsuki-Azalee
Rhododendron indicum
Ein Satsuki-Azalee Bonsai ist im Frühsommer ein Blütenmeer: Hunderte Blüten in Weiß, Rosa, Rot oder Lila, manchmal mehrere Farben an einem Baum. Botanisch ist sie eine Azalee aus Japan (Rhododendron indicum und daraus gezüchtete Sorten). Sie verzeiht Schnitt sehr gut und ist gar nicht so schwierig. Ehrlich gesagt ist sie aber anspruchsvoller als ein typischer Einsteigerbaum: Sie braucht saure Erde, weiches Wasser und den richtigen Zeitpunkt für den Schnitt. Wenn du diese drei Dinge beachtest, klappt es.
Standort: draußen, sonnig, im Hochsommer etwas Schatten
Die Satsuki ist immergrün und gehört nach draußen. In der Wohnung bekommt sie zu wenig Licht und blüht kaum.
- Frühling und Herbst: viel Sonne, das sorgt für kräftige Knospen.
- Hochsommer: Schutz vor der heißen Mittagssonne, zum Beispiel Morgensonne und ab Mittag Halbschatten.
- Während der Blüte: vor Regen und praller Sonne schützen. Nasse Blüten werden schnell matschig und fleckig.
Winter: leichten Frost ja, starken Frost nein
Leichten Frost hält eine kräftige Satsuki aus. Im Topf frieren die feinen Wurzeln aber schnell durch. Ab etwa −5 °C stellst du sie geschützt, zum Beispiel in einen kalten, hellen Raum, ein Frühbeet oder eine frostfreie Garage mit Fenster. Kein warmes Wohnzimmer: Sie braucht die kühle Pause.
Erde: sauer muss sie sein
Azaleen brauchen saure, kalkfreie Erde. Normale Bonsai-Erde oder Blumenerde passt nicht. Der Klassiker ist Kanuma*, ein weiches, gelbliches Vulkangestein aus Japan. Es hält Wasser gut, lässt trotzdem Luft an die Wurzeln und ist leicht sauer. Kanuma gibt es im Bonsai-Fachhandel und online.
Die Wurzeln sind sehr fein und dicht, ähnlich wie Watte. Drück die Erde deshalb nie fest.
Gießen: gleichmäßig feucht, mit weichem Wasser
Hier passieren die meisten Fehler.
- Die Erde soll immer leicht feucht sein: nie ganz austrocknen, aber auch nicht im Wasser stehen.
- Nimm Regenwasser oder gefiltertes Wasser. Hartes Leitungswasser enthält Kalk. Der macht die Erde mit der Zeit weniger sauer, und die Blätter werden gelb.
- Ist der Wurzelballen doch einmal ganz trocken, stell den Topf ein paar Minuten in einen Eimer Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Mehr dazu in Bonsai gießen.
Düngen
In der Wachstumszeit mit Azaleen- oder Rhododendron-Dünger düngen, nach Packungsangabe. Während der Blüte machst du eine Pause oder nimmst nur die halbe Menge. Nach der Blüte wieder normal düngen, denn im Sommer legt der Baum die Knospen fürs nächste Jahr an.
Blüten pflegen
- Verwelkte Blüten abzupfen, und zwar mit dem kleinen grünen Knubbel in der Mitte. Daraus würden sonst Samen, und das kostet den Baum Kraft.
- Bei schwachen Bäumen kannst du schon einen Teil der Knospen entfernen. Weniger Blüten bedeuten mehr Kraft fürs Wachstum.
Schneiden: direkt nach der Blüte
Das ist die wichtigste Regel bei der Satsuki: Schneide gleich nach der Blüte, also etwa im Juni. Im Sommer bildet sie schon die Blütenknospen fürs nächste Jahr. Schneidest du später, schneidest du die Blüten von morgen ab.
- Die Satsuki verträgt auch kräftigen Schnitt gut und treibt danach wieder aus.
- Sie wächst unten stärker als oben. Schneide die unteren Äste daher etwas kräftiger zurück als die oberen.
- An jeder Triebspitze bilden sich oft viele neue Triebe. Lass höchstens zwei stehen und entferne den Rest.
- Ungewollte Triebe, zum Beispiel direkt aus dem Stamm, kannst du jederzeit entfernen.
Eine passende Schere findest du in Werkzeug für Einsteiger.
Drahten und Umtopfen
- Drahten: am besten gleich nach dem Schnitt im Frühsommer. Das Holz älterer Äste ist spröde und bricht leicht, also nur sanft biegen.
- Umtopfen: alle zwei bis drei Jahre, am besten nach der Blüte in Kanuma. Die verfilzten Wurzeln vorsichtig lösen und nur wenig kürzen.
Wenn die Blätter trotzdem gelb werden, hilft dir der Bonsai-Doktor bei gelben Blättern. Bei trockener Luft im Sommer achte auch auf Spinnmilben.
In Japan
Ihr japanischer Name ist Satsuki (皐月). So heißt der fünfte Monat im alten japanischen Mondkalender, der ungefähr in unseren Juni fällt. Der Name sagt also: Diese Azalee blüht später als die anderen, erst nach der großen Frühlingsblüte, im Mai und Juni.
In Japan werden Satsuki seit Jahrhunderten gezüchtet. Schon um 1692 erschien ein Buch, das weit über hundert Sorten beschreibt. Heute gibt es Tausende Sorten, und ein Baum kann Blüten in mehreren Farben und Mustern tragen. Kein Jahr gleicht dem anderen, und genau das macht ihren Reiz aus.
Auch die Erde hat eine japanische Heimat: Kanuma (鹿沼土, kanuma-tsuchi) stammt aus der Gegend um die Stadt Kanuma in der Präfektur Tochigi. Die Stadt gilt als größtes Anbaugebiet für Satsuki in Japan, und die Satsuki ist dort die offizielle Stadtblume. Jedes Jahr Ende Mai bis Anfang Juni findet das Kanuma-Satsuki-Fest statt. Dort zeigen Liebhaber aus ganz Japan ihre schönsten Satsuki-Bonsai in voller Blüte.
Giftig für Haustiere
Ja. Azaleen sind für Katzen und Hunde giftig. Sie enthalten Grayanotoxine, die Erbrechen, Durchfall, Schwäche und im schlimmsten Fall Herzprobleme auslösen können. Stell deine Satsuki so, dass Tiere nicht daran knabbern, und geh im Zweifel sofort zum Tierarzt.
Häufige Fragen
Ist eine Satsuki-Azalee für Anfänger geeignet?
Bedingt. Sie verzeiht Schnitt gut, braucht aber saure Erde, weiches Wasser und gleichmäßige Feuchtigkeit. Wenn du darauf achtest, kannst du sie auch als Einsteiger pflegen.
Wann schneide ich meine Satsuki?
Direkt nach der Blüte, etwa im Juni. Später im Sommer schneidest du sonst die Blütenknospen fürs nächste Jahr ab.
Kann ich normales Leitungswasser nehmen?
Besser nicht dauerhaft, wenn dein Wasser hart ist. Der Kalk macht die Erde weniger sauer, und die Blätter werden gelb. Regenwasser oder gefiltertes Wasser ist ideal.
Was ist Kanuma-Erde?
Ein weiches, leicht saures Vulkangestein aus der Gegend um die japanische Stadt Kanuma. Es hält Wasser und lässt trotzdem Luft an die feinen Wurzeln.
Darf die Satsuki-Azalee im Winter draußen bleiben?
Ja, bei leichtem Frost. Ab etwa −5 °C stellst du sie geschützt an einen kalten, hellen Ort, aber nicht ins warme Wohnzimmer.